Mittwoch, 1. Juli 2009

I'm going underground...



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Aus sicherer Quelle weiß ich, dass einer der Gallaghers (dafür, welcher es war, reicht mein Gedächtnis dann doch nicht) auf die Frage, was für Musik bei seinem Begräbnis gespielt werden solle, diesen Song genannt hat. Going Underground von Paul Weller. Sehr nett.
Nun ist es relativ unwahrscheinlich, dass egal welcher der beiden auf der Highgate Cemetery seine letzte Ruhe finden wird. Was schade ist, denn die Struktur dieses Friedhofs würde sich anbieten: Eine breite Straße teilt die Ruhestätte in zwei Teile, East und West. So könnte sichergestellt werden, dass nachts der Friedhof von unflätigen Beschimpfungen verschont bleibt.
Doch auch ohne die beiden Gallaghers (sie leben ja sowieso noch, soweit ich weiß, zumindest haben sie vor übernächstes Wochenende ein Konzert in London zu spielen) ist der Friedhof in der Nähe von Hampstead Heath, im nördlichen Teil Londons, auf jeden Fall einen Besuch wert. Er ist einer der so genannten Magnificent Seven, sieben während dem 19. Jahrhundert gebaute Friedhöfe. Neben Karl Marx liegt hier die Hälfte der wichtigen Männer, die im viktorianischen London gelebt haben.
Dabei muss, wer Karl Marx sehen will, oder viel mehr sein Grab, den östlichen Teil des Friedhofs betreten. Meiner Meinung nach ist der Westflügel allerdings um einiges interessanter. Weniger aufgrund der hier Beerdigten, sondern weil die „Bevölkerung“ dieses Teils schon seit Jahrzehnten nicht mehr anwächst. Das einzige was hier wächst, sind Bäume und Blumen. Uralte Gräber reihen sich aneinander und sind teilweise komplett überwachsen, halb zerfallene Statuen ragen aus einem Meer grüner Blätter hervor, die Natur ist mit den Überresten menschlichen Eingriffs verschmolzen. Leider ist der Westteil nur unter Führung und gegen fünf Pfund zu besichtigen, aber es lohnt sich auf jeden Fall und die aus den wenigen Besuchern resultierende Stille trägt sicher zur Faszination des Ortes bei.



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Kleines Detail am Rande: Die meisten Gräber sähen deutlich unspektakulärer aus, wenn der Engländer in der Zeit von Queen Victorias Regentschaft nicht so vom Tod besessen gewesen wäre.



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Wer einmal sehen will, wer denn so alles hier liegt, kann sich der Auflistung auf wikipedia bedienen.



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P.S.: Wer meine Rat annimmt, kann sich bei schönem Wetter direkt im nahen Hampstead Heath abkühlen. Der Park ist groß, realtiv naturbelassen und bietet zur Abkühlung mehrere Badeteiche - in einigen darf sogar mit dem anderen Geschlecht geplanscht werden.

Kommentare:

Damon Albarn hat gesagt…

Es war natürlich Noel.

Wer sonst. Liam ja wohl kaum. Oder, wie Du zu sagen pflegst: "Laim".

Und natürlich ist der Song nicht von Paul Weller sondern von The Jam, deren Mitglied er zwar war, aber man würde ja auch wohl kaum sagen, dass "Coffee & TV" von Graham Coxon ist oder "Song 2" von, ha, mir!

Wären Noel oder Paul Weller tot, würden sie sich darob im Grabe umdrehen.

Deiner geneigten Leserschaft wird dieser Fauxpas kaum aufgefallen sein, aber diesen Mangel habe ich ja nun behoben, und ich werde Dich jetzt die kommenden mindestens 10 Jahre damit aufziehen, wie Du dieses eine Mal diesen musikhistorischen Quark in Deinem blog verzapft hast.

Woohoo!

Gundu hat gesagt…

..sofern man dem Herz-Kreislaufkollaps aufgrund der eisigen Temperatur entgehen konnte..